Troja

Grimmaer Geodät am Ort des hölzernen Odysseus-Pferdes.
Vermessungsassessor Eberhard Meßmer ist in Troia "so gut wie zu Hause"

Topographische Karte der Ausgrabungen von TROIA
(Türkei von 1998)

Odysseus, Paris und Helena. Namen antiker Sagenfiguren, die allesamt zusammengefasst werden können unter Troia, jener legendären Stadt aus der griechischen Mythologie. Auch auf Eberhard Meßmer wirkt dieser Name noch immer faszinierend, obwohl er schon seit 13 Jahren beruflich mit Troia zu tun hat. Der Diplom-Ingenieur aus Grimma ist verantwortlich für die Vermessung der Ausgrabungsstelle.

Schon seit 1981 war Meßmer in der Türkei, wo Troia heute zu finden ist, tätig. Der gebürtige Schwabe leitete damals 100 Kilometer nördlich von Ismir die Vermessung bei der Ausgrabung von Pergamon, nach dem das altertümliche Pergament-Papier benannt ist. Drei Jahre später begannen die Arbeiten nahe der Stadt Ganakale, wo Heinrich Schliemann im vergangenen Jahrhundert die sagenumwogene Stadt entdeckt hatte. "Die Teams haben sich gegenseitig besucht", erinnert sich Meßmer. So habe er auch Manfred Korfmann, Ausgrabungsleiter von Troia kennengelernt.
1985 erhielt der Vermessungsexperte seinen ersten Auftrag auch für Troia, seit 1987 liefen die Vermessungen unter seiner Leitung. Die ersten knapp zwei Monate seien die schwierigsten gewesen. Meßmer: "Da stand man praktisch vor dem Nichts." Ein erstes Vermessungsnetz diente als Orientierung.<

Eberhard Meßmer bei seinen Troia- Vermessungen. Trotz der GPS-Satellitenvermessung ist hier die herkömmliche Messtechnik (jedoch der modernste Theodolit) nicht zu entbehren.

Dieses hatten die Archäologen Schliemann und Wilhelm Dörpfeld mit alten Mitteln erstellt, die Genauigkeit lobt der Wahlgrimmaer heute noch. Es sei, schrieb Meßmer in einer Publikation, "in Anbetracht der damaligen Möglichkeiten hervorragend."
Besonders gefallen hat Meßmer die Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaftlern aus den unterschiedlichsten Bereichen und verschiedensten Ländern. Türken und Deutsche arbeiteten Hand in Hand mit Amerikanern und Griechen, zur gesamten Troia- Forschung gehören unter anderem Zoologen, Geologen und Metallogen. "Abends saßen wir zum Beispiel mit Archäologen zusammen und haben viel diskutiert" berichtet Meßmer, "das hat meinen Horizont sehr erweitert."

Von oben betrachtet: die Stadtmauer von Troia IV mit dem Osttor

Bei diesen Gesprächen ging es natürlich um das Entdeckte, aber auch um die Legenden, die sich um Troia ranken. Die zehnjährige Belagerung durch die Griechen und Odysseus' List, die Stadt mit einem riesigen hohlen Pferd einzunehmen, ist natürlich die berühmteste, niedergeschrieben in Homers "Ilias".

Beim Anblick einiger seiner unzähligen Fotos gerät der Geodät wieder ins Schwärmen, besonders bei denen der alten freigelegten Stadtmauern: "Davon war ich am meisten fasziniert. Unter diesen Mauern haben sich die griechischen und troianischen Krieger bekämpft."

Die sogenannte Bastion von unten gesehen - aus der Sicht früherer Angreifer

Die Schlacht um Troia brachte den ganzen Olymp ins Wanken, alle Götter waren interessiert am Schicksal der Stadt. Die griechischen Götter sind in Vergessenheit geraten, die Arbeiten von Meßmer und seinen Kollegen beschäftigen dagegen in unserer Zeit nicht nur Forscher, sondern auch Troia- Freunde, die schon immer fasziniert waren von einer der berühmtesten Stätten des Altertums.
In der mehrbändigen Publikation "Studia Troica", die stets bei neuen Erkenntnissen erweitert wird, können sich Interessierte über den neuesten Stand der Dinge informieren.

Eberhard Meßmer in seinem Grimmaer Büro mit der Karte von Troia

Besonders bei denjenigen, die überall auf der Welt der Faszination Troias erlegen sind, möchte sich Meßmer herzlichst bedanken. Viele der Forschungen wären ohne die großzügigen Spenden gar nicht möglich gewesen. (Text: Johannes Franz)

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