Winnender Zeitung, 24. Februar 2009

Signale nun auch aus Russland

Der Schwaikheimer Geodät Eberhard Messmer nutzt seit kurzem auch das Satellitensystem GLONASS

Kontaktaufnahme: Geodät Eberhard Messmer (r.) und Mitarbeiter Thomas Hespelt mit Empfangsantenne und grafischem Feldbuch samt integriertem GPS-Controller. Bild: Steinemann


Von unserem Redaktionsmitglied Uwe Speiser
Schwaikheim. Ein weiteres Beispiel für „Globalisierung“, wenn man so will: Seit kurzem stehen fürs professionelle Vermessen und auch für „normale“ GPS-Nutzer zusätzlich russische Satelliten zur Verfügung. Bisher hatten die Amerikaner hier ein Monopol. Wie der Schwaikheimer Dipl.-Vermessungsingenieur Eberhard Messmer erklärt, drückt sich der Zugewinn an Genauigkeit ganz konkret in Zentimetern aus.

Seit 1991 vermisst Messmers Büro mit Hilfe von GPS, zwei Jahre später gehörte es zu den ersten im Lande, das eine Empfängerstation anschaffte. Das „Globale Positionsbestimmungssystem“ löste in der Zeit das bisherige Vermessen mit dem Theodolit ab. 1998 gehörte Messmer mit zu den Ersten, die die „SAPOS“-Box kauften und anwendeten. SAPOS steht für „Satellitenpositionierungsdienst“. Mit seiner Hilfe konnte die sogenannte Positionsgenauigkeit auf bis zu einen Zentimeter verbessert werden. Es wird unter anderem eingesetzt in der Luft- und Seefahrt, von Rettungsdiensten, zur Fahrzeugnavigation, überall dort, wo die bisherige Systemgenauigkeit von fünf bis 15 Meter nicht ausreicht.

Der Geodät steht dabei draußen „im Gelände“, also auf dem jeweiligen Grundstück, mit dem GPS-Empfänger und wählt sich per Handy ins System ein. Sapos ermittelt mit Hilfe von Referenzstationen Korrekturwerte, die der Empfänger per UKW oder UMTS sofort, also „in Echtzeit“ oder nachträglich per Download, vom Webserver erhält. Der Zentralrechner des Landesvermessungdienstes zu steht im Rechenzentrum Karlsruhe.

Für die Messung mit GPS und Sapos standen bislang nur amerikanische Satelliten zur Verfügung. Derzeit sind von ihnen zwar 31 in der Erdumlaufbahn, fachtechnisch Orbit genannt, in etwa 20 000 Kilometer Höhe. „Das Problem ist aber, dass wir oft nicht genug Satelliten zur Verfügung haben. Die Genauigkeit hängt eben auch von deren Anzahl ab“, erläutert Messmer.

GLONASS ergänzt jetzt das amerikanische NAVSTAR-System

Das russische „GLONASS“-System, (Global Navigation Satellite System), seit etwa 20 Jahren in Betrieb, ergänzt nun also das weltweit wichtigste Ortungs- und Navigationssystem, das amerikanische NAVSTAR-GPS-System (Navigational Timing and Ranging Global Positioning System). Das wiederum hatte Mitte der 90er Jahre das System NNSS der US-Marine abgelöst.

Voraussetzung für diese Integration wiederum war, wie Messmer weiter berichtet, dass die Russen im Jahr 2000 auf das internationale Koordinatensystem umstellten und damit seither ein einheitliches Bezugssystem vorhanden ist.

Der Aufbau einer eigenen Satellitenarmada durch die Russen, mit Investitionen von vielen Millionen Dollars, hat, vermutet Messmer, wohl militärische Gründe. „Die schießen immer vor Weihnachten drei neue Satelliten hoch. Bis 2012 sollen es insgesamt 30 sein.“ Derzeit umkreisen 20 russische Satelliten in 19 000 Kilometer Höhe die Erde.

Messmer geht davon aus, dass die Russen unabhängig sein wollen, vor allem von den USA. Diese hatten nämlich, wiederum aus eigenen militärischen Gründen, über lange Zeit Bahn-Daten verfälscht. Erst unter der Präsidentschaft von Clinton sei diese Taktik auf massiven Druck der GPS-Industrie hin aufgehoben worden, berichtet Messmer. „Es war bis dahin, einfach ausgedrückt, so, dass alle GPS-Nutzer, auch einfache Angler, verarscht wurden. Aber okay, das wussten ja auch alle.“ Profis wie er hatten allerdings ihre Abwehrmöglichkeiten, indem sie die Fehler mathematisch sozusagen gegeneinander rausrechneten, eben anhand der Korrekturdaten durch Sapos.

Die USA haben also ihr Monopol verloren, die Russen sind auf dem Vormarsch - und die Europäer bauen derzeit ihr eigenes, allerdings ziviles System, Name Galileo, auf. Derzeit sind zwei Testsatelliten im Umlauf. Messmer geht davon aus, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis auch dieses System funktioniert und dass für die Nutzung Gebühren erhoben werden, im Gegensatz zu den bereits bestehenden militärischen Konkurrenzsystemen.

Mit GPS sind auch Erdbeben besser vorhersagbar

Die Genauigkeit, die durch die Erreichbarkeit der russischen Satelliten nun erreicht werden kann, hat selbst Messmer überrascht. Das russische GLONASS steht im Übrigen nicht nur Gedäten oder anderen Professionellen zur Verfügung, sondern im Grund jedem GPS-Nutzer, sofern dessen Hardware dazu angewandt werden kann: „Der braucht bloß einen Empfänger, der diese Signale empfangen kann.“

GPS hat viele Einsatzgebiet. Eines, das auch einen Experten wie Messmer fasziniert, ist, dass mit dieser Technik leichtere und bessere Vorhersagen von Erdbeben möglich sind. Mit GPS sind nämlich auch minimalste Bewegungen der Erdkruste messbar.

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